Bundesländer und Bedingungen im Vergleich

Erstes Examen geschafft: Wo mache ich mein Referendariat?

Wenn dein nächster Schritt das Referendariat ist, stellt sich schnell die Frage nach dem richtigen Bundesland und Ausbildungsort. Dieser Überblick vergleicht wichtige Bedingungen und zeigt, warum sich die aktuell schwierigen Wartezeiten nicht mit einer einzigen Zahl beantworten lassen.

Von Lilli von Juratorium. Veröffentlicht am 27. Oktober 2026.

Entscheide nicht nur nach dem vermeintlich schnellsten Starttermin. Vergleiche Wartezeit, Vergabeverfahren, Examensklausuren, Vergütung, Status und Ausbildungsbedingungen. Prüfe anschließend, welches Bundesland und welcher Ort zu deinem Leben passen.

Wann solltest du dich für das Referendariat bewerben?

Das richtet sich nach dem Bundesland. Manche Länder stellen nur zweimal im Jahr ein, andere alle zwei oder drei Monate. In Nordrhein-Westfalen führen die drei Oberlandesgerichte eigene Verfahren; innerhalb eines OLG-Bezirks wechseln teilweise auch die Landgerichte, an denen neue Arbeitsgemeinschaften beginnen.

Prüfe deshalb zuerst die offizielle Seite der zuständigen Justizverwaltung. Notiere dir Einstellungstermin, Bewerbungsfrist, erforderliche Unterlagen und die Frage, ob fehlende Zeugnisse nachgereicht werden dürfen. Eine unvollständige Bewerbung kann dazu führen, dass du an einem Auswahlverfahren nicht teilnimmst oder deine Wartezeit noch nicht zu laufen beginnt.

Bewirb dich nicht allein nach einer Wartezeit, die du in einem Forum oder einem älteren Beitrag gelesen hast. Entscheidend ist, was für deinen konkreten Einstellungstermin und den gewünschten Ausbildungsort gilt.

Im bisherigen Bundesland bleiben: Vorteile und Nachteile

Vorteile: Dein persönliches Umfeld, eine vorhandene Wohnung und Kontakte zu möglichen Ausbildungsstellen bleiben erhalten. Du kennst die Stadt, musst keinen Umzug organisieren und kannst vielleicht leichter an bestehende berufliche oder private Verbindungen anknüpfen.

Nachteile: Ein beliebter Wunschort kann mit längerer Wartezeit verbunden sein. Außerdem verzichtest du möglicherweise auf bessere finanzielle oder organisatorische Bedingungen in einem anderen Bundesland. Ein Studium vor Ort verschafft dir nicht automatisch einen Referendariatsplatz.

Für das Referendariat wechseln: Vorteile und Nachteile

Vorteile: Ein Wechsel kann einen früheren Start ermöglichen. Vielleicht passen auch Vergütung, Status, Ausbildungsangebot oder Examensbedingungen in einem anderen Bundesland besser zu dir. Gleichzeitig lernst du einen neuen Gerichtsbezirk und neue berufliche Kontakte kennen.

Nachteile: Es entstehen Umzugskosten, du musst dich neu orientieren und verlässt möglicherweise dein persönliches Umfeld. Hinzu kommen andere landesrechtliche Besonderheiten, ein unsicherer Wunschort und eventuell höhere Lebenshaltungskosten.

Auch die Zahl der schriftlichen Examensklausuren unterscheidet sich. Sie sollte nicht allein über deinen Wohnort entscheiden, gehört aber in einen ehrlichen Vergleich. Ebenso wichtig sind Stationsfolge, Zusatzangebote, elektronische Prüfung, Vergütung, Krankenversicherung und die Wege zu Gericht, Arbeitsgemeinschaft und Ausbildungsstelle.

Die wichtigsten Vor- und Nachteile auf einen Blick

Für ein Bundesland können kurze oder fehlende Wartezeiten, mehrere Einstellungstermine, eine gute Vergütung, das Beamtenverhältnis auf Widerruf, kleinere Arbeitsgemeinschaften, digitale Klausuren und zusätzliche Examenskurse sprechen.

Dagegen können wenige Einstellungstermine, hohe Nachfrage, ein unsicherer Wunschort, höhere Lebenshaltungskosten oder ein weiter Umzug sprechen. Auch ein auf den ersten Blick attraktives Bundesland kann unpraktisch sein, wenn du während des Referendariats regelmäßig weite Wege zu Gericht, Arbeitsgemeinschaft oder Ausbildungsstelle zurücklegen musst.

Lege deshalb vor dem Vergleich fest, was für dich nicht verhandelbar ist. Möchtest du möglichst schnell beginnen, unbedingt in einer bestimmten Stadt bleiben, finanziell besser dastehen oder eine bestimmte Art der Ausbildung erhalten? Erst danach hilft dir eine Tabelle wirklich weiter.

Warum Wartezeiten so stark voneinander abweichen

Aktuell bekommt man häufig mit, dass Bewerberinnen und Bewerber länger auf einen Referendariatsplatz warten als erwartet. Auch in meinem Bekanntenkreis war das mehrfach so. Das ist keine allgemeine Statistik, zeigt aber, wie schwierig die Planung nach dem ersten Examen gerade sein kann.

Man hat das erste Examen geschafft, möchte Arbeit, Wohnung und den nächsten Lebensabschnitt planen. Trotzdem weiß man teilweise lange nicht verlässlich, wann und wo es weitergeht. Für viele Bewerberinnen und Bewerber kann diese Unsicherheit belastend sein.

Besonders wichtig wird das, wenn du für das Referendariat in ein anderes Bundesland wechseln möchtest. Die tatsächlichen Wartezeiten und Auswahlregeln können erheblich voneinander abweichen. Das gilt nicht nur zwischen den Ländern. Auch innerhalb eines Landes können Wunschort, Oberlandesgerichtsbezirk und Einstellungstermin einen großen Unterschied machen.

Eine belastbare bundesweite Wartezeit gibt es nicht. Relevant sind unter anderem die Zahl der vollständigen Bewerbungen, die vorhandenen Ausbildungsplätze, die Beliebtheit einzelner Orte, das jeweilige Vergabesystem und deine räumliche Flexibilität. Manche Länder arbeiten mit Wartelisten, andere zusätzlich mit Noten-, Härtefall- oder sonstigen Quoten.

Deshalb zeigt die folgende Tabelle keine erfundenen Durchschnittswerte. Sie nennt nur aktuelle offizielle Hinweise. Wo eine Justizverwaltung keine verlässliche Dauer veröffentlicht, steht das ausdrücklich dabei.

Referendariat nach Bundesland: Bewerbung, Klausuren und Vergütung

Die Tabelle dient als erste Orientierung. Über den Namen des Bundeslands gelangst du jeweils zu einer offiziellen Justizseite. Prüfe dort vor deiner Bewerbung noch einmal den aktuellen Einstellungstermin und die geltenden Voraussetzungen.

Bei den Klausuren zeigt die Tabelle nicht nur die Zahl, sondern auch die Verteilung auf die Rechtsgebiete. Wahlmöglichkeiten werden ausdrücklich genannt. Bei den Wartezeiten nenne ich bewusst nur das, was sich aus aktuellen amtlichen Informationen belastbar ableiten lässt.

Die Vergütung ist als ungefährer monatlicher Bruttogrundbetrag angegeben. Familienzuschläge, Sonderzahlungen, Nebentätigkeiten und persönliche Abzüge können das tatsächliche Ergebnis verändern.

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben.

Bundesweiter Überblick zu Einstellung, Wartezeit, Klausuren, Vergütung und Status im Rechtsreferendariat
Bundesland oder OLG-BezirkEinstellungWartezeit und AuswahlKlausuren und WahlmöglichkeitenVergütung, Status und Besonderheiten
Baden-WürttembergOLG Karlsruhe oder StuttgartZum 1. April und 1. Oktober; feste Ausschlussfristen.Keine belastbare allgemeine Wartezeit veröffentlicht. Restplätze können gesondert vergeben werden.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.613 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Sozialversicherungspflicht; ein Familienzuschlag kann hinzukommen.
BayernOLG Bamberg, München oder NürnbergRegelmäßig im April und Oktober.Bayern weist darauf hin, dass Wartezeiten durch landesweite Kapazitäten bislang vermieden werden konnten. Der Wunschort ist dabei nicht garantiert.9 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 3 Öffentliches Recht. Eine Klausur enthält zwingend Steuerrecht, eine zivilrechtliche Klausur Arbeitsrecht. Keine Wahlklausur.Rund 1.652 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Gesetzliche Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung.
BerlinKammergerichtVier Einstellungstermine im Jahr.Keine feste Dauer. Berlin veröffentlicht stattdessen aktuelle Auswahlgrenzen; diese schwanken von Termin zu Termin deutlich.7 Klausuren: je 2 Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht. Die siebte Klausur wird aus einem dieser drei Gebiete gewählt.Rund 1.778 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Sozialversicherungspflicht außer in der Rentenversicherung; keine beamtenrechtliche Beihilfe.
BrandenburgBrandenburgisches OLGRegelmäßig Februar, Mai, August und November.Auswahl nach gesetzlichen Quoten, Wartezeit und gegebenenfalls der aktuellen Landeskinderregelung. Keine feste Dauer veröffentlicht.7 Klausuren: je 2 Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht. Die siebte Klausur wird aus einem dieser drei Gebiete gewählt.Rund 1.673 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung; keine beamtenrechtliche Beihilfe.
BremenHanseatisches OLG BremenIm April und Oktober.Die offizielle Einschätzung unterscheidet nach Examensnote. Sie ist eine Orientierung, keine Zusage für den einzelnen Termin.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.559 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Ein Familienzuschlag kann hinzukommen.
HamburgHanseatisches OLGAlle zwei Monate, beginnend im Februar.Punktesystem aus Examensleistung, Wartezeit und weiteren nachgewiesenen Umständen. Hamburg nennt ausdrücklich keine exakt vorhersagbare Wartezeit.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.583 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Sozialversicherungspflicht; zusätzliche Einkünfte können angerechnet werden.
HessenLandesweitMehrere Einstellungstermine im Jahr; die aktuelle Liste ist auf der Justizseite veröffentlicht.Die Justiz nennt derzeit bis zu acht Monate. Wunschort und tatsächlicher Termin können davon abweichen.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.860 Euro brutto. Bei deutscher, bestimmter europäischer oder schweizerischer Staatsangehörigkeit grundsätzlich Beamtenverhältnis auf Widerruf, sonst öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis in gleicher Bruttohöhe. Landesticket inklusive.
Mecklenburg-VorpommernOLG RostockZum 1. Juni und 1. Dezember.Note, Härtefall und Wartezeit gehören zu den Kriterien. Ab 8,5 Punkten werden bei erfüllten Voraussetzungen zeitnahe Angebote angekündigt; eine allgemeine Dauer wird nicht genannt.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Regelfall Beamtenverhältnis auf Widerruf mit rund 1.809 Euro brutto. Alternativ öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis mit rund 1.595 Euro brutto. Beim Beamtenstatus kommen Beihilfe und mögliche Sonderleistungen hinzu.
NiedersachsenOLG Braunschweig, Celle oder OldenburgJe nach OLG; in Celle März, Juni, September und Dezember. Bewerbungen an die OLGs sind getrennt möglich.Vergabe insbesondere nach Leistung, Wartezeit und Härtefallquote. Keine landesweit feste Dauer veröffentlicht.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 1 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Die achte Klausur wird zwischen Strafrecht und Öffentlichem Recht gewählt.Rund 1.530 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Die Unterhaltsbeihilfe entspricht 85 Prozent des höchsten niedersächsischen Anwärtergrundbetrags.
NRW: OLG DüsseldorfMehrere LandgerichtsbezirkeMonatliche Einstellungen an wechselnden Landgerichten.Die Wartezeit hängt vom OLG-Bezirk, Einstellungstermin und Ortswunsch ab. Für NRW gibt es keine einheitliche Zahl.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.585 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Ein Familienzuschlag und bei einer Auslandsstation ein Kaufkraftausgleich können hinzukommen.
NRW: OLG HammUnter anderem Bielefeld, Bochum und MünsterMonatliche Einstellungen an wechselnden Landgerichten.Beliebte Universitätsorte sind häufig ausgelastet. Freie Restplätze an anderen Standorten können einen früheren Start ermöglichen; auch langes Warten garantiert Münster nicht.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.585 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Ein Familienzuschlag und bei einer Auslandsstation ein Kaufkraftausgleich können hinzukommen.
NRW: OLG KölnMehrere LandgerichtsbezirkeEinstellungen an wechselnden Landgerichten.Die Warteliste richtet sich grundsätzlich nach dem Eingang vollständiger Bewerbungen; besondere gesetzliche Fälle können die Reihenfolge beeinflussen.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.585 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Ein Familienzuschlag und bei einer Auslandsstation ein Kaufkraftausgleich können hinzukommen.
Rheinland-PfalzZentrale Zulassung beim OLG KoblenzIm Mai und November; Bewerbung jeweils nur für den konkret geöffneten Termin.Keine belastbare allgemeine Wartezeit veröffentlicht. Unbesetzte Plätze können ausnahmsweise nach Fristablauf vergeben werden.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.615 Euro brutto. Besonderes öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Gesetzliche Kranken- und Arbeitslosenversicherung; ein Familienzuschlag kann hinzukommen.
SaarlandSaarländisches OLGFeste Einstellungstermine nach der jeweils aktuellen Ausschreibung.Keine belastbare allgemeine Wartezeit auf der verlinkten Übersichtsseite veröffentlicht.7 Klausuren: 2 allgemeines Zivilrecht, 1 Zwangsvollstreckungsrecht, 2 Strafrecht und 2 Staats- und Verwaltungsrecht. Keine Wahlklausur.Rund 1.432 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Sozialversicherungspflicht; beamtenrechtliche Beihilfe wird nicht gewährt.
SachsenOLG DresdenRegelmäßig im Mai und November.Bei Übernachfrage findet ein Auswahlverfahren statt. Für November 2026 veröffentlichte Sachsen eine Notengrenze von 7,51 Punkten; das ist keine dauerhafte Grenze.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.855 Euro brutto. Wahl zwischen Beamtenverhältnis auf Widerruf und öffentlich-rechtlichem Ausbildungsverhältnis. Im Beamtenstatus besteht Beihilfe, im Ausbildungsverhältnis Sozialversicherungspflicht.
Sachsen-AnhaltOLG NaumburgZum 1. März und 1. September.Keine belastbare allgemeine Wartezeit auf der offiziellen Übersichtsseite veröffentlicht.8 Klausuren: je 2 Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht sowie 2 Klausuren mit anwaltlicher Aufgabenstellung. Das Rechtsgebiet der anwaltlichen Klausuren wird vorgegeben.Rund 1.512 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Persönliche Zuschläge und Abzüge können den Auszahlungsbetrag verändern.
Schleswig-HolsteinSchleswig-Holsteinisches OLGMehrere Einstellungstermine im Jahr in wechselnden Landgerichtsbezirken.Vergabe nach Leistungs-, Härtefall- und Wartekriterien. Keine feste Dauer veröffentlicht.8 Klausuren: 4 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Keine Wahlklausur.Rund 1.595 Euro brutto. Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis, keine Verbeamtung. Gesetzliche Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
ThüringenLandgerichtsbezirke Erfurt, Gera, Meiningen und MühlhausenIm Mai und November.Nach aktueller Auskunft bestehen seit mehr als zehn Jahren keine Wartezeiten. Ein bestimmter Landgerichtsbezirk ist trotzdem nicht garantiert.8 Klausuren: 3 Zivilrecht, 2 Strafrecht und 2 Öffentliches Recht. Das Justizprüfungsamt bestimmt das Rechtsgebiet der achten Klausur; die Kandidatinnen und Kandidaten wählen es nicht selbst.Rund 1.783 Euro brutto. Wahl zwischen Beamtenverhältnis auf Widerruf und öffentlich-rechtlichem Ausbildungsverhältnis in gleicher Bruttohöhe. Im Beamtenstatus besteht Beihilfe, im Ausbildungsverhältnis Sozialversicherungspflicht.

Stand: 27. Oktober 2026. Die Vergütung nennt gerundete monatliche Bruttogrundbeträge ohne persönliche Zuschläge. Beträge, Wartezeiten und Bedingungen können sich ändern. Die Tabelle ist eine Entscheidungshilfe und kein Ranking. Maßgeblich bleiben die verlinkten offiziellen Seiten und dein späterer Zulassungsbescheid.

Was Vergütung und Status für dich praktisch bedeuten

Die Bruttobeträge lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. In einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis werden regelmäßig Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Die genaue Ausgestaltung ist landesrechtlich unterschiedlich. Teilweise besteht Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung und später eine Nachversicherung oder eine besondere Versorgungsanwartschaft.

Im Beamtenverhältnis auf Widerruf fallen grundsätzlich keine Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung an. Dafür musst du deine Krankenversicherung selbst organisieren. Je nach Bundesland kannst du eine individuelle oder pauschale Beihilfe erhalten und den verbleibenden Teil privat oder freiwillig gesetzlich absichern.

Hessen beruft geeignete Bewerberinnen und Bewerber mit deutscher, bestimmter europäischer oder schweizerischer Staatsangehörigkeit grundsätzlich in das Beamtenverhältnis auf Widerruf. Mecklenburg-Vorpommern nutzt den Beamtenstatus im Regelfall. Sachsen und Thüringen räumen ein Wahlrecht ein, sofern die beamtenrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Achte außerdem auf Familienzuschläge, Sonderzahlungen, Landestickets, Nebentätigkeitsregeln und die mögliche Anrechnung von Stationsentgelt. Ein etwas höherer Bruttobetrag ist nicht automatisch die finanziell beste Lösung, wenn Miete, Umzug, Fahrtkosten oder Krankenversicherung deutlich teurer sind.

Warum Klausurzahl und Wahlmöglichkeiten wichtig sind

Bayern verlangt mit neun Aufsichtsarbeiten die höchste Klausurzahl. Vier Klausuren stammen aus dem Zivilrecht, zwei aus dem Strafrecht und drei aus dem Öffentlichen Recht. Eine öffentlich-rechtliche Klausur muss Steuerrecht enthalten. Eine zivilrechtliche Klausur muss Arbeitsrecht enthalten.

Berlin und Brandenburg lassen das Rechtsgebiet der siebten Klausur zwischen Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichem Recht wählen. In Niedersachsen wird die achte Klausur zwischen Strafrecht und Öffentlichem Recht gewählt. Thüringen hat ebenfalls eine achte variable Klausur. Dort bestimmt jedoch das Justizprüfungsamt das Rechtsgebiet für den gesamten Prüfungsdurchgang.

Eine Wahlmöglichkeit kann zu deinen Stärken passen. Sie sollte aber nicht allein über den Ausbildungsort entscheiden. Du verbringst etwa zwei Jahre im Referendariat. Stationsangebot, Betreuung, Wartezeit, Lebenshaltungskosten und persönliches Umfeld können deshalb ebenso wichtig sein.

Wie werden Referendariatsplätze vergeben?

Es gibt kein einheitliches bundesweites Vergabeverfahren. In Berlin werden veröffentlichte Auswahlgrenzen aus einem Punktesystem sichtbar, in Hamburg fließen unter anderem Examensleistung und Wartezeit in eine Rangfolge ein. Köln führt grundsätzlich eine Warteliste nach Eingang vollständiger Bewerbungen. Andere Länder arbeiten mit festen Quoten für Leistung, Wartezeit und Härtefälle.

Eine sogenannte Landeskinderregelung gibt es nicht pauschal in jedem Bundesland. Brandenburg sieht unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen eine entsprechende Quote vor. Daraus darf aber nicht abgeleitet werden, dass ein früheres Studium am Wunschort überall automatisch einen Vorteil bringt.

Auch Ehrenamt, Bundesfreiwilligendienst oder andere Dienste wirken sich nicht überall gleich aus. Manche Regelungen rechnen bestimmte Dienste auf Wartezeiten oder Punktesysteme an, andere nennen sie ausdrücklich nicht als Grund für eine bevorzugte Ortszuweisung. Prüfe deshalb immer die konkrete Regel deines Bundeslands.

Nicht nur Wartezeit vergleichen: Manche Länder verbessern ihre Bedingungen

Bei der Wahl des Bundeslands lohnt sich nicht nur der Blick auf den nächsten freien Platz. Einige Länder verbessern ihre Bedingungen gezielt, um das Referendariat attraktiver zu machen. Dazu können eine höhere Vergütung, kleinere Arbeitsgemeinschaften, digitale Klausuren, Datenbankzugänge oder zusätzliche Examenskurse gehören.

Sachsen ist dafür ein gutes Beispiel. Der Freistaat wirbt mit vier Ausbildungsstandorten: Dresden, Chemnitz, Leipzig und Bautzen. Hinzu kommen kleine Gruppen, eine vergleichsweise hohe Ausbildungsvergütung, die Wahl zwischen öffentlich-rechtlichem Ausbildungsverhältnis und Beamtenverhältnis auf Widerruf, kostenfreie Zugänge zu beck-online und juris, elektronische Übungsmöglichkeiten, ein Klausurenkurs und eine Simulation der mündlichen Prüfung.

Leipzig ist dabei einer der sächsischen Ausbildungsstandorte; die genannten Verbesserungen gehören zum Angebot des Freistaats insgesamt. Dass gute Bedingungen die Nachfrage verändern können, zeigt der Einstellungstermin November 2026: Wegen der hohen Bewerberzahl musste Sachsen ein Auswahlverfahren durchführen. Auch vermeintlich sichere Erfahrungswerte können sich deshalb ändern.

Offizielle Informationen zum Referendariat in Sachsen

Münster als Wunschort: Was du für den OLG-Bezirk Hamm wissen solltest

Wenn du dein Referendariat in Münster machen möchtest, bewirbst du dich beim Oberlandesgericht Hamm. Dort beginnen jeden Monat neue Arbeitsgemeinschaften, aber nicht an jedem Landgericht zu jedem Termin.

Das OLG weist ausdrücklich darauf hin, dass die Universitätsstandorte Bielefeld, Bochum und Münster besonders beliebt und ihre Kapazitäten regelmäßig ausgeschöpft sind. Eine lange Wartezeit garantiert deshalb keinen Platz in Münster.

Räumliche Flexibilität kann den Start beschleunigen. In Arnsberg, Hagen, Detmold, Paderborn oder Siegen werden nach Angaben des OLG teilweise kleinere Arbeitsgemeinschaften eingerichtet. Zusätzlich veröffentlicht das Gericht kurzfristig freie Restplätze, die außerhalb der normalen Rangfolge vergeben werden können.

Warum entstehen überhaupt Wartezeiten?

Wartezeiten entstehen, wenn zu einem Termin mehr vollständige Bewerbungen vorliegen als Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Wie viele Plätze angeboten werden können, hängt von den haushaltsrechtlichen Stellen und den personellen, räumlichen sowie organisatorischen Ausbildungskapazitäten ab.

Ich habe selbst erlebt, dass an einem in Betracht kommenden Ausbildungsort nicht genügend Richterinnen und Richter für die Ausbildung zur Verfügung standen. Solche personellen Engpässe können die Zahl der möglichen Ausbildungsplätze begrenzen.

Für den OLG-Bezirk Hamm ist zum Beispiel dokumentiert, dass die Zahl der monatlichen Neueinstellungen 2024 begrenzt wurde. Gleichzeitig bleiben an einzelnen weniger nachgefragten Standorten gelegentlich Plätze frei. Genau deshalb kann eine allgemeine Aussage für ganz NRW oder sogar für einen einzelnen OLG-Bezirk irreführend sein.

Personalmangel in der Justiz kann also eine Rolle spielen. Er ist aber nicht an jedem Ort und zu jedem Termin der einzige Grund. Auch begrenzte Haushaltsstellen, besonders beliebte Ausbildungsorte und die jeweils aktuelle Zahl der Bewerbungen wirken sich aus.

Deine Checkliste vor der Bewerbung

1. Entscheide, ob du direkt starten oder bewusst eine Pause einlegen möchtest. 2. Vergleiche mehrere Bundesländer und nicht nur deinen bisherigen Studienort. 3. Prüfe Einstellungstermine und Ausschlussfristen auf den offiziellen Justizseiten. 4. Kläre, welche Unterlagen vollständig vorliegen müssen und was nachgereicht werden darf.

5. Informiere dich über das konkrete Vergabeverfahren. 6. Gib mehrere zumutbare Ausbildungsorte an, wenn das Verfahren dies erlaubt. 7. Prüfe regelmäßig Restplatzangebote. 8. Kündige Wohnung oder Arbeitsstelle erst, wenn du eine verbindliche Zusage erhalten hast.

Wenn dein Wunschort besonders beliebt ist, überlege vorher, was dir wichtiger ist: ein früher Beginn oder genau dieser Ort. Diese Entscheidung kann dir keine allgemeine Wartezeittabelle abnehmen.

Mein persönliches Fazit

Das eine beste Bundesland für das Referendariat gibt es nicht. Ein schneller Start kann wichtiger sein als ein bestimmter Ort. Für jemand anderen wiegen das persönliche Umfeld, die Vergütung oder ein bestimmtes Ausbildungsangebot schwerer.

Ich würde mich früh informieren und Bewerbungsfristen ernst nehmen, aber meinen gesamten Plan nicht von einer angeblich festen Wartezeit abhängig machen. Gerade die Unterschiede zwischen Bundesland, OLG-Bezirk, Wunschort und Einstellungstermin sind dafür zu groß.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns den Ablauf des Referendariats mit seinen Stationen genauer an. Meine persönlichen Erfahrungen aus der Zivilstation bekommen anschließend einen eigenen Artikel.

Häufige Fragen zum Start ins Referendariat

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