Für mich führte dieser Weg nach Südafrika, genauer gesagt nach Stellenbosch. Rückblickend war es eine Entscheidung, die ich jederzeit wieder treffen würde.
Was ist ein LL.M. überhaupt?
Der Master of Laws (LL.M.) ist ein weiterführender juristischer Studienabschluss. Anders als das deutsche Jurastudium ist ein LL.M.-Studium in der Regel deutlich spezialisierter und international ausgerichtet. Besonders für Studierende mit Interesse am internationalen Recht oder an einer späteren Tätigkeit in einer international tätigen Kanzlei kann ein LL.M. interessant sein.
Ein LL.M. wird häufig im Ausland absolviert und bietet damit neben dem eigentlichen Studium die Möglichkeit, das Rechtssystem und die Kultur eines anderen Landes kennenzulernen. Je nach Universität kann man entweder einen eher allgemein ausgerichteten LL.M. absolvieren oder sich auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisieren.
Für deutsche Juristinnen und Juristen kann ein LL.M. außerdem eine interessante Ergänzung zu den beiden Staatsexamina sein. Dabei sollte man allerdings realistisch sein: Der Abschluss ersetzt weder das Referendariat noch das zweite Staatsexamen und ist für die spätere Berufszulassung in Deutschland grundsätzlich nicht erforderlich.
Warum Südafrika?
Für meinen LL.M. habe ich mich für Stellenbosch entschieden. Die Stadt liegt in der südafrikanischen Provinz Western Cape, nicht weit von Kapstadt entfernt, und ist vor allem für ihre Universität und die umliegenden Weinregionen bekannt.
Südafrika bietet dabei eine besondere Kombination: Auf der einen Seite studiert man an einer Universität in einem englischsprachigen Umfeld und kann seine Sprachkenntnisse im juristischen Kontext erheblich verbessern. Auf der anderen Seite bekommt man die Gelegenheit, in eine völlig neue Kultur einzutauchen und ein Land kennenzulernen, das sich in vielerlei Hinsicht deutlich von Deutschland unterscheidet. Jedoch sollte man sich auch darauf einstellen, dass es neben anderen afrikanischen Studierenden vor allem Deutsche nach Südafrika verschlägt.
LL.M. als Auszeit zwischen Examen und Berufsleben
Der LL.M. bietet sich insbesondere für diejenigen an, die nach dem ersten Staatsexamen nicht unmittelbar mit dem Referendariat beginnen möchten oder dies nicht können. Gerade wegen der langen Wartezeit in beliebten Städten wie Berlin kann ein LL.M. eine gute Überbrückungsmöglichkeit darstellen.
Natürlich gibt es auch viele, die den LL.M. erst nach dem Referendariat absolvieren und ihn als Übergang vor dem Berufseinstieg nutzen. Gerade diese Phase kann eine gute Gelegenheit sein, noch einmal bewusst etwas Neues auszuprobieren oder sich zu orientieren, bevor der Berufsalltag beginnt.
In Südafrika kam dabei noch ein weiterer Faktor hinzu: Man hat vergleichsweise viel Freizeit und kann sich von den Strapazen des ersten bzw. zweiten Examens erholen. Das Studium nimmt zwar Zeit in Anspruch, lässt sich aber gut mit Reisen und anderen Aktivitäten verbinden. Für mich war es deshalb die perfekte Gelegenheit, neue Menschen kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und gleichzeitig große Teile des Landes zu bereisen, eine willkommene Abwechslung nach dem Lernstress.
Wie anspruchsvoll ist das Studium?
Wer vom deutschen Jurastudium kommt, sollte sich darauf einstellen, dass das akademische Niveau eines LL.M. nicht unbedingt mit demjenigen des deutschen Staatsexamensstudiums vergleichbar ist.
In meinem Fall war der Studienaufwand überschaubar. Pro Semester fanden die Vorlesungen für die jeweiligen Fächer lediglich zweimal pro Woche abends statt, jeweils von 18 bis 20 Uhr. Am Ende des Semesters gab es pro Fach eine Klausur. Die Masterarbeit wurde während der längeren Ferien zwischen den Semestern geschrieben.
Das bedeutet nicht, dass man überhaupt nichts für die Universität tun muss. Insbesondere die Masterarbeit erfordert natürlich eine gewisse Eigenständigkeit und Zeit. Insgesamt blieb aber ausreichend Raum für andere Dinge.
Genau diese Kombination empfand ich als besonders angenehm: Man hatte ein akademisches Projekt, konnte sich mit juristischen Themen auf Englisch beschäftigen und gleichzeitig das Leben in Südafrika genießen.
General LL.M. oder Spezialisierung?
Je nach Universität und Studiengang gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den LL.M. inhaltlich auszugestalten. Grundsätzlich kann man sich für einen eher allgemeinen LL.M. entscheiden oder einen Schwerpunkt auf bestimmte Rechtsgebiete legen.
Das kann insbesondere dann interessant sein, wenn bereits während des Studiums klar ist, in welchem Bereich man später arbeiten möchte. Wer beispielsweise ein besonderes Interesse am internationalen Wirtschaftsrecht, Unternehmensrecht oder anderen spezialisierten Rechtsgebieten hat, kann den LL.M. gezielt zur Vertiefung dieses Interesses nutzen.
Wer dagegen noch nicht genau weiß, in welche Richtung es später gehen soll, kann einen allgemeineren Studiengang wählen und verschiedene Rechtsgebiete kennenlernen.
Was bringt ein LL.M. später im Berufsleben?
Eine häufige Frage ist natürlich, welchen konkreten Vorteil ein LL.M. bei späteren Bewerbungen bringt.
Hier würde ich die Erwartungen etwas relativieren. Ein LL.M. ist sicherlich ein Pluspunkt im Lebenslauf, sein konkreter Wert hängt aber stark von der jeweiligen Stelle und vom Arbeitgeber ab. Insbesondere bei international ausgerichteten Kanzleien oder Unternehmen kann ein Auslandsstudium interessant sein.
Der Mehrwert liegt aus meiner Sicht allerdings nicht unbedingt ausschließlich im zusätzlichen juristischen Fachwissen. Gerade bei einem LL.M. im englischsprachigen Ausland ist die Verbesserung der Englischkenntnisse ein wichtiger Faktor. Wer ein Jahr lang juristische Vorlesungen auf Englisch besucht, Klausuren auf Englisch schreibt und eine wissenschaftliche Arbeit auf Englisch verfasst, gewinnt zwangsläufig mehr Sicherheit im Umgang mit der Sprache.
Für spätere Bewerbungen kann daher gerade die Kombination aus juristischer Ausbildung, Auslandserfahrung und sehr guten Englischkenntnissen interessant sein.
Mein Fazit
Für mich war der LL.M. in Stellenbosch eine der besten Möglichkeiten, die Zeit zwischen Studium und Referendariat zu gestalten. Akademisch war das Studium im Vergleich zum deutschen Jurastudium eher überschaubar. Genau darin lag für mich aber auch ein Vorteil: Neben dem Studium blieb genügend Zeit, neue Kontakte zu knüpfen, zu reisen und das Land wirklich kennenzulernen.
Wer nach dem ersten Examen nicht sofort ins Referendariat starten möchte oder nach dem Referendariat noch einmal etwas Neues erleben will, sollte einen LL.M. im Ausland zumindest in Betracht ziehen.
Natürlich ist ein LL.M. kein Muss für eine juristische Karriere und auch kein Garant für bessere Bewerbungschancen. Je nach beruflichem Ziel kann er aber eine sinnvolle Ergänzung der juristischen Ausbildung sein. Und unabhängig vom späteren Lebenslauf bekommt man etwas, das sich nicht in einer Bewerbungsmappe messen lässt: die Erfahrung, für längere Zeit in einem anderen Land zu leben, eine neue Kultur kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern.
Für mich war Südafrika dafür jedenfalls der perfekte Ort.
Über die Autorin
Lena Heyden hat in Münster Jura studiert und nach dem ersten Staatsexamen ihren LL.M. an der Universität Stellenbosch in Südafrika gemacht. Dieser Beitrag gibt ihre persönlichen Erfahrungen wieder.