Du musst im ersten Semester noch nicht den perfekten Lernplan haben. Du darfst verschiedene Wege ausprobieren und herausfinden, wie du am besten lernst.
Mein Start in das Jurastudium
Als ich vor acht Jahren mit meinem Jurastudium angefangen habe, war ich zunächst ziemlich überfordert. Ich wusste nicht, welche Veranstaltungen wirklich wichtig sind, welche Lernmaterialien ich brauche und wie ich bei dieser Menge an Stoff am besten vorgehen soll.
Das Jurastudium ist anders als die Schule. Niemand kontrolliert jeden Tag, ob du anwesend bist, deine Aufgaben erledigt hast oder den Stoff verstanden hast. Diese Freiheit kann schön sein. Sie kann einen am Anfang aber auch verunsichern.
Muss ich jede Vorlesung besuchen
Die meisten Vorlesungen im Jurastudium sind keine Pflichtveranstaltungen. Du musst also nicht hingehen. Du darfst hingehen.
Ob der Besuch jeder Vorlesung sinnvoll ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Jeder Mensch lernt anders. Manche können einem Professor lange konzentriert zuhören. Andere verstehen den Stoff besser, wenn sie ihn selbstständig durcharbeiten.
Mein Rat ist trotzdem: Besuche am Anfang erst einmal jede Vorlesung. Gib jeder Veranstaltung eine ehrliche Chance. Frage dich nach einigen Wochen, ob du den Stoff durch die Vorlesung besser verstehst. Überlege auch, ob du aufmerksam folgen kannst oder allein schneller und nachhaltiger lernst.
Du musst eine Vorlesung nicht das gesamte Semester besuchen, nur weil sie in deinem Stundenplan steht. Du solltest sie aber auch nicht vorschnell auslassen, bevor du herausgefunden hast, ob sie dir etwas bringt.
Versuche nicht, einfach nur möglichst viele Stunden abzusitzen. Dein Ziel sollte sein, den juristischen Stoff zu durchdringen. Frage dich, warum eine Vorschrift existiert, weshalb eine Lösung so aufgebaut wird und wie die verschiedenen Regeln miteinander zusammenhängen.
Warum Arbeitsgemeinschaften besonders wichtig sind
Zusätzlich zu den Vorlesungen werden normalerweise Arbeitsgemeinschaften angeboten. Dort bearbeitet ihr gemeinsam juristische Fälle. Die Gruppen werden häufig von Personen geleitet, die im Studium bereits deutlich weiter sind oder ihr Examen bestanden haben.
Für mich gehören die Arbeitsgemeinschaften zu den wichtigsten Veranstaltungen der ersten Semester. Dort lernst du nicht nur den Stoff. Du lernst vor allem, wie du dein Wissen auf einen konkreten Fall anwendest.
Am meisten nimmst du aus einer Arbeitsgemeinschaft mit, wenn du dir den Fall vorher anschaust. Du musst noch keine vollständige Lösung schreiben. Häufig reicht es, den Sachverhalt aufmerksam zu lesen und eine erste Lösungsskizze zu erstellen.
Nach der Arbeitsgemeinschaft solltest du den Fall noch einmal durchgehen. Schaue dir an, an welchen Stellen du eine andere Lösung gewählt hättest und welche Zusammenhänge du noch nicht verstanden hast.
Ich würde die Arbeitsgemeinschaft nicht einfach auslassen. Wenn die Leitung der Gruppe überhaupt nicht zu deinem Lernstil passt, solltest du nach einer anderen Möglichkeit suchen. Vielleicht kannst du mit anderen Studierenden die Gruppe tauschen oder freundlich fragen, ob du an einer anderen Arbeitsgemeinschaft teilnehmen darfst.
Lehrbücher und Skripte im ersten Semester
Meine ehrliche Meinung ist, dass umfangreiche Lehrbücher für die ersten Semester häufig nicht der beste Einstieg sind. Sie enthalten sehr viele Einzelheiten und können einen am Anfang regelrecht erschlagen.
Teilweise behandeln sie Probleme, die erst viel später oder sogar erst in der Examensvorbereitung wichtig werden. Das kann auch bei umfangreichen Skripten verschiedener Anbieter passieren.
Natürlich gibt es Studierende, die sehr gut mit Lehrbüchern lernen. Für mich waren kompaktere und fallbezogene Materialien hilfreicher.
Meine Empfehlung: „Lernen mit Fällen“ von Winfried Schwabe
Besonders empfehlen kann ich die Bücher aus der Reihe „Lernen mit Fällen“ von Winfried Schwabe. Viele Studierende sprechen deshalb einfach vom Schwabe.
Mir gefällt daran, dass man den Stoff nicht nur abstrakt liest. Man lernt ihn direkt anhand von Fällen kennen. Dadurch sieht man früh, wie das Wissen später in einer Klausur angewendet werden muss.
Die Bücher ersetzen nicht das eigene Lernen. Sie bieten meiner Meinung nach aber einen guten Einstieg und helfen dabei, ein Gefühl für die juristische Falllösung zu entwickeln.
Wenn du im ersten Semester mit BGB AT beginnst, passt der Band „Allgemeiner Teil des BGB“ besonders gut zum Einstieg.
„Allgemeiner Teil des BGB“ beim Verlag ansehenDen Stoff mit eigenen Karteikarten verstehen
Nur eine Vorlesung zu besuchen oder einen Fall zu lesen, reicht meistens nicht aus. Du solltest den Stoff anschließend noch einmal in deinen eigenen Worten festhalten.
Dafür eignen sich eigene Karteikarten besonders gut. Du kannst sie aus deinen Mitschriften, den Fällen aus der Arbeitsgemeinschaft und deinen übrigen Lernmaterialien erstellen.
Schon beim Formulieren merkst du häufig, ob du einen Inhalt wirklich verstanden hast oder nur glaubst, ihn verstanden zu haben.
Mir war dabei immer wichtig, nicht nur einzelne Definitionen auswendig zu lernen. Ich wollte verstehen, wie die unterschiedlichen Regeln, Voraussetzungen und Probleme miteinander verbunden sind. Deshalb habe ich meine eigenen Lernzettel entsprechend aufgebaut und versucht, mir ein zusammenhängendes Verständnis zu erarbeiten.
Von meinen Lernzetteln zu Juratorium
Als ich mit meinem Studium begonnen habe, waren die technischen Möglichkeiten noch andere. Natürlich gab es bereits Apps und digitale Angebote. Mir stand damals aber keine Plattform zur Verfügung, die das juristische Lernen so verbunden hat, wie ich es gebraucht hätte.
Vieles musste ich selbst zusammensuchen, ordnen und auf meinen eigenen Lernzetteln miteinander verknüpfen. Diese Arbeit hat mir beim Lernen geholfen. Sie hat aber auch sehr viel Zeit gekostet.
Heute kann diese Lernweise digital umgesetzt werden. Aus diesem Gedanken ist Juratorium entstanden. In der Plattform fließen meine persönlichen Erfahrungen aus dem Jurastudium und die gemeinsame Arbeit unseres Teams zusammen.
Juratorium soll nicht einfach nur eine weitere Sammlung von Definitionen sein. Die Inhalte sollen miteinander verbunden werden. Dadurch kannst du Zusammenhänge erkennen und bereits in den ersten Semestern einen Grundstein legen, auf den du später aufbauen kannst.
Du kannst kostenlos eigene Karteikarten erstellen oder mit unseren vorbereiteten Karteikarten arbeiten. Der Stoff soll dabei nicht nur stumpf auswendig gelernt werden. Das Lernen soll verständlich, vernetzt und etwas spielerischer werden.
Auch künstliche Intelligenz gehört zu den heutigen technischen Möglichkeiten und wird bei Juratorium als unterstützendes Werkzeug eingesetzt. Das möchten wir nicht verstecken. KI hilft dabei, die digitale Plattform und ihre Inhalte weiterzuentwickeln. Sie ersetzt aber weder die menschliche Prüfung noch das eigene juristische Denken.
Jura ist ein Marathon und kein Sprint
Im ersten Semester musst du noch keine besonders guten Noten schreiben. Zunächst geht es darum, im Studium anzukommen, die Grundlagen zu verstehen und die erforderlichen Klausuren zu bestehen.
Eine bestandene Klausur ist zunächst eine bestandene Klausur. Du musst dich nicht schlecht fühlen, nur weil andere mehr Punkte erreicht haben.
Vielleicht bestehst du beim ersten Versuch nur eine Klausur oder nur einen Teil der vorgesehenen Klausuren. Das bedeutet nicht, dass du für Jura ungeeignet bist. Manche bestehen im ersten Semester sofort alles. Andere brauchen für einzelne Klausuren einen weiteren Versuch.
Vergleiche dich deshalb nicht ständig mit den wenigen Studierenden, bei denen scheinbar von Anfang an alles funktioniert. Häufig spricht man besonders laut über gute Ergebnisse und deutlich weniger über Klausuren, die nicht bestanden wurden.
Natürlich solltest du dich informieren, welche Leistungen du an deiner Universität bestehen musst, welche Fristen gelten und welche Prüfungen wiederholt werden dürfen. Eine einzelne Klausur entscheidet aber nicht über dein gesamtes Studium und erst recht nicht über deinen Wert.
Versuche, die ersten Klausuren als Möglichkeit zu sehen, das juristische Arbeiten kennenzulernen. Schaue dir anschließend ehrlich an, was bereits gut funktioniert hat und was du beim nächsten Mal anders machen möchtest.
Das Examen liegt noch weit entfernt
Wenn du gerade erst mit dem Jurastudium begonnen hast, musst du dich noch nicht jeden Tag mit dem Examen beschäftigen.
Die Examensvorbereitung wird später eine eigene Lernphase. Dann wirst du den gesamten Stoff noch einmal wiederholen, vertiefen und auf eine andere Art miteinander verbinden.
Was du jetzt brauchst, ist eine gute Grundlage. Du solltest gewissenhaft arbeiten, regelmäßig Fälle lösen und besonders die Arbeitsgemeinschaften vor und nachbereiten. Du musst aber noch nicht so lernen, als würdest du in wenigen Wochen dein Examen schreiben.
Verbrauche nicht bereits im Grundstudium deine gesamte Energie. Finde möglichst früh einen Lernrhythmus, den du über mehrere Jahre durchhalten kannst.
Jura ist nicht alles im Leben
Plane bewusst Zeit für Freunde, Familie, Bewegung, Erholung und andere schöne Dinge ein. Jura ist nicht alles im Leben.
Auch deine psychische Gesundheit sollte von Anfang an wichtig sein. Pausen und Freizeit sind keine verlorene Lernzeit. Sie helfen dir dabei, langfristig konzentriert und belastbar zu bleiben.
Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du einen freien Nachmittag genießt oder am Wochenende etwas unternimmst. Ein gutes Studium besteht nicht daraus, jede freie Minute am Schreibtisch zu verbringen.
Juratorium soll dir dabei helfen, regelmäßig und strukturiert zu lernen, ohne deine gesamte Freizeit mit dem Sortieren und Erstellen von Materialien zu verbringen. Eine Lernplattform sollte dein Leben nicht vollständig mit Jura füllen. Sie sollte dir helfen, deine Lernzeit sinnvoll zu nutzen.
Mein wichtigster Tipp für das erste Semester
Du musst im ersten Semester noch nicht alles können. Du musst auch nicht sofort die perfekte Lernmethode gefunden haben.
Besuche die Veranstaltungen zunächst und probiere unterschiedliche Materialien aus. Beobachte ehrlich, womit du wirklich Fortschritte machst.
Konzentriere dich auf die Grundlagen. Bearbeite regelmäßig Fälle. Wiederhole den Stoff und versuche, ihn in deinen eigenen Worten zu erklären.
Bleibe gewissenhaft, aber nimm den Druck heraus. Es ist dein erstes Semester. Du darfst erst einmal ankommen.